Das Vorgängerprojekt
In den Jahren 2022-2025 wurde das Vorgängerprojekt zum Lernlaboratorium-Projekt durchgeführt. Das Projekt hatte den Titel Mehrsprachige Phraseologie: Feste Wendungen durch Englisch lernen. Auf dieser Seite stellen wir das Vorgängerprojekt und ausgewählte Ergebnisse kurz vor. Die ausführliche Beschreibung der Ergebnisse finden Sie hier.
Der folgende Text ist eine angepasste Version des ursprunglichen Texts zum Projekt auf der Webseite des Vorgängerprojekts.
Wir verlinken hier bewusst nicht auf die Projektseite des Vorgängersprojekts, denn die aktuellen Lernmaterialien finden Sie alle hier auf diesen Seiten. Die Seite des Projekts Mehrsprachige Phraseologie: Feste Wendungen durch Englisch lernen dient alleine zur Dokumentation, und die Materialien entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand.
Im Video erzählt Erla Hallsteinsdóttir über das Projekt, die Relevanz von festen Wendungen, die Lektionen auf B1-Niveau, Lehrkräfte- und Lernendenguidelines und die mehrsprachige Datenbank.
Projektpartner und Projektteam
Das Team des Projekts Mehrsprachige Phraseologie: Feste Wendungen durch Englisch lernen bestand aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der vier beteiligten Projektpartner. Diese sind: die Nationale Kapodistrias-Universität Athen (Griechenland), die Universität Stettin (Polen), die Aarhus Universität (Dänemark) und die Universität Murcia (Spanien), die am Lernlaboratorium-Projekt nicht beteiligt ist.
Projektidee, Ziele und Inhalt
Das Vorgängerprojekt basierte auf der Idee, das man das Lernen von festen Wendungen – der Phraseologie – in der Fremdsprache Deutsch durch das Einbeziehen von ähnlichen Wendungen aus dem Englischen leichter machen kann.
Diese Idee für das Vorgängerprojekt entstand durch die mehrjährige Arbeit der beteiligten Projektpartner mit Wortschatz und das Wissen über den Bedarf an neuen Materialien zur Wortschatzförderung. Das von der Europäischen Union kofinanzierte Projekt sollte dem aktuellen Bedarf an Lernmaterialien zur systematischen Förderung der phraseologischen Kompetenz im Unterricht für Deutsch als Fremdsprache (DaF) Rechnung tragen. Den Projektantrag haben die Projektpartner gemeinsam entwickelt und geschrieben.
Das Hauptziel des Projekts war es, bessere Möglichkeiten für das Lernen fester Wendungen (Phraseologie) zu schaffen. Dieses Ziel verwirklichten die Projektpartner an den Universitäten in Athen, Stettin und Aarhus durch die Entwicklung eines didaktischen Konzepts für die Erarbeitung von eigenen Texten, geschlossenen interaktiven Übungen mit Feedback und offenen kommunikativen Aufgaben in 12 Lektionen auf B1-Niveau sowie die Umsetzung in den multimedialen Formaten von H5P.
Die Nationale Kapodistrias-Universität Athen und die Universität Szczecin haben das Äquivalenzkonzept entwickelt. Die Nationale Kapodistrias-Universität Athen war federführend in der Auswahl der Kollokationen und die Universität Stettin in der Auswahl der Idiome und dem Aufbau einer mehrsprachigen Datenbank mit den festen Wendungen aus dem Projekt. Die Projektpartner aus Athen, Stettin und Aarhus waren außerdem verantwortlich für die Lehrmaterialien auf Niveau B1, federführend bei der Erstellung der Guidelines für Lehrkräfte und Lernende und maßgebend beteiligt an der Koordination der Aufträge an die Illustratorin Delia Tello, die die festen Wendungen gezeichnet hat.
Eine ausführliche Übersicht über die Ergebnisse und Produkte der drei Projektpartner finden Sie hier.
An wen richtet sich das Projekt?
Die wichtigsten Zielgruppen des Projekts sind:
- Jugendliche Deutschlernende mit Vorkenntnissen im Englischen
- Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache an Schulen der Sekundarstufe, Sprachinstituten und Universitäten
- Studierende philologischer, translatorischer oder anderer Studiengänge im Bereich DaF oder moderner Fremdsprachen
- Erwachsene Lernende, die im Rahmen des lebenslangen Lernens ihre Sprachkenntnisse erweitern möchten
- Lernende ohne Zugang zur formalen Bildung, die ihre phraseologische Kompetenz im Selbststudium entwickeln möchten
- Autorinnen und Autoren von Lehr-Lern-Materialien
- Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Interesse an Phraseologie und digitalen didaktischen Ressourcen
- Alle, die einfach Freude an Phraseologie haben
Was sind die festen Wendungen?
Feste Wendungen (Phraseme) sind lexikalisierte Wortschatzeinheiten, die aus zwei oder mehreren Wörtern (Komponenten) bestehen. Die Kombination der Wörter bildet eine semantisch und/oder pragmatisch sinnvolle Einheit. Viele feste Wendungen haben Eigenschaften, die sich nicht aus grammatischen Regeln ableiten lassen. Um sie angemessen zu verwenden, braucht man daher mehr als die Kenntnis der Grammatik und der Bedeutung ihrer einzelnen Komponenten.
In der Forschung hat sich der Bereich der Phraseologie in letzter Zeit stark erweitert. Heute umfasst die Forschung eine Vielfalt an lexikalischen Mehrworteinheiten (zu einer digitalen Lernressource zur Theorie der Phraseologie für fortgeschrittene Lernende siehe „Germanistik Digital – Germanon“).
Im Vorgängerprojekt wurden drei Typen von festen Wendungen didaktisch aufbereitet:
- Kollokationen – feste Wendungen, die durch häufiges gemeinsames Auftreten von Wörtern zustande kommen und bevorzugte Ausdrucksweisen für bestimmte Bedeutungen darstellen, z. B. Geld überweisen, um einen Gefallen bitten, to give an answer, to be of the opinion that.
- Idiome – feste Wendungen, deren Bedeutung sich nicht aus der Summe der einzelnen Komponenten ergibt, z. B. etw. spricht Bände, grünes Licht geben, hand in hand, to be the black sheep.
- Expressive Routineformeln – feste Wendungen, die nur in bestimmten kommunikativen Situationen verwendet werden und illokutionäre Sprechakte vermitteln, die Emotionen und Einstellungen der Sprechenden signalisieren, z. B. Abwarten und Tee trinken, Hut ab, You don’t believe that yourself, That’s too good to be true.
Warum sind die festen Wendungen wichtig für das Fremdsprachenlernen?
Neuere Forschungsarbeiten in der Linguistik werfen ein neues Licht auf das Wesen der Sprache und betonen die zentrale Rolle des phraseologischen Wissens bei der Entwicklung einer kompetenten Sprachverwendung. Empirische Untersuchungen an großen Textkorpora zeigen eindeutig, dass Sprache zu einem weit größeren Grad als früher angenommen, etwa die Hälfte der sprachlichen Einheiten in Texten, aus vorgefertigten Einheiten – Phrasemen – besteht. Das Wissen über diese Einheiten ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Sprachkompetenz in allen Sprachen. Obwohl die phraseologische Kompetenz in der Fremdsprachenforschung immer wichtiger wird, sind die Fortschritte bei der Entwicklung digitaler didaktischer Materialien für diesen Zweck nicht befriedigend. Das Projekt trägt dazu bei, dem Bedarf an modernen Lehr-Lernmaterialien gerecht zu werden.
Was ist der plurilinguale Ansatz?
Das Vorgängerprojekt basierte auf dem plurilingualen Ansatz für das Lehren und Lernen von Sprachen. Es folgt damit den aktuellen Tendenzen der europäischen Sprachbildungspolitik. Dieser Ansatz fördert die sprachliche Vielfalt als Bereicherung für die Fremdsprachenpädagogik. Die Annahme ist, dass das Erlernen einer neuen Sprache stets vor dem Hintergrund bereits erworbener oder erlernter Sprachen erfolgt, mit denen neues Wissen verglichen wird und dabei neue Wissensstrukturen entstehen. Die Vernetzung der erlernten Sprachen kann dabei als Sprungbrett für den Erwerb weiterer Fremdsprachen genutzt werden.
Das Projekt wendet den plurilingualen Ansatz auf das Erlernen der deutschen Phraseologie durch das Englische an. Dadurch sollen die phraseologischen Vorkenntnisse der Lernenden im Englischen, das heutzutage mehrheitlich als erste Fremdsprache (L2) fungiert, gezielt für das Erlernen fester Wendungen im Deutschen als zweite Fremdsprache (L3) nutzbar gemacht werden.
Der große Nachteil an dem plurilingualen Ansatz, so wie er im Vorgängerprojekt umgesetzt wurde, ist die ausschließliche Verwendung von festen Wendungen im Deutschen, für die es im Englischen eine gleiche oder ähnliche Wendung gibt. Das schränkt die Auswahl der Wendungen erheblich ein, und es fehlen sehr viele wichtige Wendungen, die im Englischen keine Entsprechung haben aber trotzdem zum Lernwortschatz gehören sollten.
Wie fördert das Projekt das interkulturelle Lernen?
Die Übungen und Lernaktivitäten im Vorgängerprojekt folgen einem roten Faden, also einer Geschichte, die sich an aktuellen Themen orientiert, und deren Hauptpersonen aus verschiedenen europäischen Ländern (Dänemark, Griechenland, Polen, Spanien) stammen. Anhand der Abenteuer dieser Personen in Berlin werden die Lernenden mit festen Wendungen vertraut gemacht, und gleichzeitig beschäftigen sie sich mit der Kultur in Deutschland und anderen Ländern, um interkulturelles Verständnis und interkulturelle Kompetenz aufzubauen.
Das Projekt Mehrsprachige Phraseologie: Feste Wendungen durch Englisch lernen (Erasmus+ 2021-1-ES01-KA220-HED-000023469) wurde von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.
